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Abenteuerwanderung auf dem Franz-Huber-Steig

Wildbäche, Felswände und Ziegenherden auf über 2200 Metern Höhe

Susannes & Boris' aufregendes Abenteuer im rauen Zieltal über Partschins auf über 2.200 Metern.
 
Im Tal herrschen nun schon seit Tagen 35 Grad. Eine Auszeit weiter oben am Berg scheint uns eine willkommene Alternative zur Hitze im Tal. So starten wir kurz nach 14 Uhr in unsere heurige erste hochalpine Tour. Unser Ziel ist die Überschreitung der Texelgruppe (bekannt durch den "Meraner Höhenweg“) ins menschenleere Pfossental. Unser Plan soll aber nicht aufgehen...
Erste Schwierigkeiten

Noch ahnen wir nichts, als wir, Boris uns Susanne, Freitag nach Dienstschluss (Susanne tauscht Ihre Rezeptionsschicht noch extra mit Sekretärin Brigitte) kurz vor halb drei an der Talstation der Seilbahn Texelbahn oberhalb von Rabland ankommen. Seilbahnführer Sigi legt eine Sonderfahrt ein und so kommen wir direkt ohne Wartezeit zum 1000m höher gelegenen Meraner Höhenweg.
Wir haben an alles gedacht – außer an die für Susanne so lebenswichtige Sonnencreme, die sie morgens noch zum Einpacken auf das Flurschränkchen gelegt hatte.. egal. Alles gut. Die Tour kann losgehen.

Eine Stunde Meraner Höhenweg

Die Wanderung fängt gemütlich an. Eine Stunde geht's ohne größere Steigungen über den von Birken gesäumten Meraner Höhenweg zur Nasereit-Alm. Die meisten Wanderer, die sich hier tagsüber neben legendären Partschinser Originalen auf die Holzbänke drücken und dem Leben mit herzhaften Kuchen und Gerstensaft frönen, sind schon weg. Auch wir verfallen den Verlockungen der aushängenden Tafeln... und tauchen unsere Gabeln in große Obsttortenstücke. Um diese Zeit sind schon fast keine Leute mehr hier, man könnte länger verweilen, aber der Aufstieg von 700 Höhenmetern steht uns noch bevor und der Wirt der Lodnerhütte, auf der wir heute übernachten, mahnt den Wanderer, vor 19.30 Uhr da zu sein...
Steil geht's los, der Weg schraubt sich nach oben. Wir wandern auf einem breiten Pfad, über den Mulis und Ihre Führer bis in die 60er Jahre die Almen des Zieltals mit dem Notwendigsten versorgten. Flurnamen wie "Mulitoud" (Mulitod) lassen hinsichtlich der Wegbeschaffenheit keine Zweifel offen, doch nach 1 Stunde erreichen wir das obere Zieltal. Die Sonne ist nun hinter der Zielspitze verschwunden - keine Schatten mehr. Hinter einer Geländekante windet sich der Weg in das leere Tal, unter uns rauscht das Schmelzwasser in die enge Schlucht. Wie in Norwegen sieht es hier aus. Kein Mensch, kein Haus, überall steile Hänge, die bis auf 3000m Höhe grün bewachsen und vermoost sind. Der mittlerweile recht verhangene Himmel verstärkt die karge Stimmung der menschenleeren Landschaft noch mehr. Lange gehen wir taleinwärts, am reißenden Bach entlang, der weiter unten in Partschins als Südtirols größter Wasserfall ins Tal stürzen wird.

Alleine auf der Hütte

Um 19.30 Uhr sind wir in der warmen Lodnerhütte angekommen. Luis, der Hüttenwirt startet eigentlich erst morgen in sein Sommerleben, uns hat er aber heute schon reingelassen. Seit 30 Jahren ist er jeden Sommer hier. Im Winter arbeitet er als Schreiner. Wir sind alleine in der Hütte, aber uns kommt es so vor, dass auch er sich freut, wieder mit Leuten zu reden. Das Essen ist köstlich und im Regal finden wir ein Buch von Dorfchronist Ewald Lassnig. Boris' Klassenlektüre in der Volkschule. Der Autor war sein Klassenlehrer und trichterte ihm die vielen Namen und Höhen, Sagen und Gedichte deutscher Lyriker ein…
Draußen tobt ein Gewitter. Nebelschwaden tauchen die Gipfel rund um die Hütte in fahles Licht. Es blitzt in der Ferne und der Sturm zerreißt fast die Fahne vor der Hütte... das kann ja heiter werden.

Planänderung

Als wir am nächsten Morgen die Augen aufschlagen, sieht es draußen besser aus. Wir ziehen uns dick an und machen uns bereit für unsere Tour. Bei Luis bedanken wir uns für das gute Essen und das feine Bett mit Erstbezug. Wir sagen ihm, dass wir über die Johannesscharte ins Pfossental wandern wollen... aber wie sich herausstellt, liegt auf den Nordhängen noch jede Menge Schnee. Kein Durchkommen für uns Normalos mit suboptimalem Schuhwerk.. Wir planen um und entscheiden, den ziemlich exponierten Franz-Huber-Steig zu laufen. Luis versichert uns, dass der Weg schneefrei, nicht vermurt und gut zu gehen wäre und uns mit einer super Aussicht in ca. 4 Stunden zum Hochganghaus führen müsste.

Wir gehen also los. Über zwei zusammengebundene Alu-Leitern geht's über den Zielbach und weiter am Hang entlang talauswärts. Die Lodnerhütte rückt in die Ferne und wir schießen noch ein Foto von der tollen Morgenstimmung. Viel Schmelzwasser hat die kleinen Wildbäche anschwellen lassen. An vielen Stellen rinnen sie den Hang hinunter und überspülen den Weg... einmal so sehr, dass wir die Schuhe ausziehen und den eiskalten Schmelzwasserbach barfuß durchqueren müssen. Das Gelände wird nun steiler. Schon aus der Ferne hören wir das Läuten von vielen kleinen Glöckchen und schon bald sehen wir, woher das Läuten schallt. Schon von Ferne sehen wir eine Herde Ziegen, die auf dem schmalen Pfad auf uns zuläuft... die kleinen Tiere haben wohl schon länger keinen Wanderer mehr gesehen und so will jetzt jede unbedingt gestreichelt werden. Alpha-Böcke tragen Positionskämpfe aus... das ist mir hier am steilen Abhang ein wenig zu gefährlich und schaue, dass ich weiterkomme... Boris ist schon weit vor mir. Hinter ihm traben ein Dutzend Ziegen und meckern.

Wir lachen und sind erstaunt, dass wir die Ziegen auch nicht mit Leiter-Passagen und steilen Felswänden abschütteln können. Die Gemeckere begleitet uns nun schon einige Kilometer… Wie es wohl wäre, ein Paar Ziegen bei uns im Garten zu haben…

Der weite Blick auf das Meraner Land

Grandiose Aussicht auf halb Südtirol! Unter uns liegt Partschins, Meran und das ganze Etschtal. Die Luft ist klar und die Dolomiten scheinen in greifbarer Nähe. Minuten vergehen und wir genießen den Moment. Was für ein Glück, hier zu leben.

Doch am Nachmittag wird das Wetter wieder umschlagen. Das wissen wir jetzt schon und so müssen weiter, leider... Der Weg wird plötzlich sehr schmal, das Gelände brutal steil. Ab hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Nichts für Halbstarke, nur Schwindelfreie kommen hier weiter... Zum Teil ist der Weg mit Stahlseilen gesichert, weite Strecken muss man sich aber an Felsen vorbeischlängeln und darauf achten, an keinem Grasbüschel hängen zu bleiben. Ein Fehltritt würde den sicheren Tod bedeuten. Konzentriert geht es weiter, wir machen dicke Backen, grinsen uns zu und gehen einfach immer weiter. Der Weg wird immer ausgesetzter und ist an einer Stelle vom Schmelzwasser der letzten Wochen ganz weggespült, aber nach 30 Minuten heftiger Kletterei ist es dann geschafft. Die Adrenalinausschüttung kann wieder eingestellt werden.

Die Landschaft aber bleibt weiter beeindruckend. Kein Mensch, der in Sichtweite ist. Hier oben auf immer noch über 2000 Metern Höhe begegnet uns auch nach fast drei Stunden immer noch kein einziger Wanderer. Es ist kaum zu glauben, dass sich nur 500 Höhenmeter tiefer der Meraner Höhenweg durch die Fichten schlängelt.

Nach vier Stunden Gehzeit und vielen Fotostopps erreichen wir total begeistert und etwas geschafft das Hochganghaus. Hier gibt's endlich ordentliche Kuchenstücke, Speckknödel und "an gspritzten Johannisbeersoft" (Johannisbeerschorle). Der Meraner Höhenweg bringt uns anschließend zur Leiteralm und von dort der Korblift ins Tal. Gerade noch rechtzeitig! Als wir im Tal in den Bus steigen ist das Gewitter da!

Noch mehr Fotos unserer Wanderung findet Ihr in unserem Facebook-Fotoalbum.
 
 
 
 
27.06.2016
Susanne
 
 
 
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